Spruchausschuss
Betreff: SpA 1-16/17

TTC Steinalben // Verbandsjugendwart Reinert


In der wegen Entzugs der doppelten Einsatzberechtigung („DE“) für einen Jugendspieler anhängigen Überprüfungsangelegenheit des TTC Steinalben e.V., vertreten durch den 1. Vorsitzenden Bernd Reischmann – Einspruchsführer – gegen den Pfälzischen Tischtennis-Verband e.V., vertreten durch den Präsidenten Heiner Kronemayer, dieser hier vertreten durch den Jugendwart Guido Reinert - Einspruchsgegner – hat der Spruchausschuss durch den Vorsitzenden Harz sowie die Beisitzer Sigmund und Reissenweber ohne mündliche Verhandlung am 13.02. 2017 folgende Entscheidung getroffen:
1. Der Einspruch wird abgewiesen.
2. Der Einspruchsführer trägt die Kosten des Verfahrens.


T a t b e s t a n d

Zu Beginn der Vorrunde meldete der Einspruchsführer (Ef.) seinen Jugendspieler Sven Bönsch an Brett eins seiner A.K.-Mannschaft in der Jungen-Bezirksklasse. Er wies damals einen QTTR-Wert von 1444 auf. Ferner war er mit der erteilten „DE“ in der zweiten Herrenmannschaft in der Kreisliga Ost gemeldet worden. Dort erspielte er im mittleren Paarkreuz eine 14:3 Bilanz. Diese Mannschaft belegt einen vorderen Tabellenplatz. Bei seinem einmaligen Einsatz in der Bezirksliga Herren blieb er ungeschlagen. Mit Beginn der Rückrunde war sein QTTR-Wert auf 1506 angestiegen. In der Jungenmannschaft war der Spieler Bönsch am 03.09., 24.09. und 05.11. im Einsatz. Nach Abschluss der Vorrunde zog ein Verein seine Mannschaft zurück, so dass anschließend noch acht Mannschaften in der Klasse verblieben waren.

Mit Email vom 29.12. 2016 hatte der Leiter der Karteistellen den betroffenen Vereinen mitgeteilt für welche Spieler zur Rückrunde die doppelte Einsatzberechtigung aufgehoben werde. Darunter war auch der Name des Spielers des Ef.s In den folgenden Tagen entwickelte sich ein vom Ef. initiierter Emailverkehr mit dem Einspruchsgegner (Eg.), der darum gebeten wurde, die „DE“-Berechtigung für die Rückrunde wieder zu erteilen. Der Eg. kam diesem Antrag nicht nach, sondern lehnte diesen mehrfach ab.

Mit Schreiben vom 10.01. 2017 erhob der Ef. dagegen „Wiederspruch“ und sandte diesen an zahlreiche Stellen des PTTV. Darunter befand sich auch der Rechtsausschuss. Über diesen Umweg erfuhr am 13.01. 2017 der Spruchausschuss vom Begehren des Ef.s. Nach einem entsprechenden Hinweis überwies der Ef. am 17.01. 2017 die Einspruchsgebühr.

Der Einspruchsführer trägt vor, dass die angegriffene Entscheidung ihn und den betroffenen Spieler unverhältnismäßig hart treffen würde. Man habe nicht vorsätzlich gehandelt, so dass allenfalls eine Geldstrafe angemessen wäre. Die hier ausgesprochene Strafe treffe den Spieler persönlich und sei unangemessen. Die Folgen stünden im Widerspruch zu dem zentralen Ansinnen des PTTV der Jugendförderung. Zu Gunsten des Ef.s sei ferner zu beachten, dass der Spieler Bönsch spielbereit und spielwillig gewesen für das Spiel gegen TTC Hettenhausen. Zu dem Einsatz sei es ohne Verschulden des Spielers nicht gekommen, weil eine Mannschaft nicht habe aufgestellt werden können und die Begegnung daher ausgefallen sei.
Der Eg. würde auch andere Vereine nicht benachteiligen, falls hier eine Ausnahme zugelassen würde. Letztlich sei hier im Interesse des Spielers und der übrigen Mannschaften des Ef.s, die in Mitleidenschaft geraten, wenn der betroffene Spieler in der Rückrunde nicht eingesetzt werden könne, eine Härtefallregelung zu treffen.

Sinngemäß beantragt der Einspruchsführer dem Spieler Sven Bönsch für die Rückrunde die Einsatzberechtigung für die zweite Herrenmannschaft zu erteilen.

Der Einspruchsgegner beantragt, den Einspruch abzuweisen.

Er weist darauf hin, dass die einschlägigen Bestimmungen in der Wettspielordnung (WO) eindeutig seien und eine andere Behandlung des Falles ausgeschlossen sei. Zudem sei die Entscheidung die „DE“ nicht wieder zu erteilen vom gesamten Jugendausschuss getroffen worden. Der Eg. weist noch darauf hin, dass der Spieler Bönsch noch genügend Möglichkeiten gehabt habe den erforderlichen vierten Einsatz zu leisten. Letztlich meint der Eg. es existiere gar keine Regelung, die es erlaube bei einem Härtefall eine andere Handhabung vorzunehmen.


E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e

Der gemäß § 1, Abs. 2 Rechtsordnung (RechtsO) statthafte Einspruch ist zulässig, denn der Ef. ist gemäß § 3, Ziffer 2 PTTV-Satzung Verbandsmitglied und demnach gemäß § 7 RechtsO anrufungsberechtigt. Auch das in § 8 RechtsO geforderte Rechtsschutzbedürfnis ist zu bejahen, da mit der Nicht-Wiedererteilung der „DE“ für den betroffenen Spieler die Dispositionsfreiheit des Ef.s tangiert, die Einsatzmöglichkeiten des Spielers beschränkt und das Mannschaftsgefüge der zweiten und unteren Herrenmannschaft Schaden zugefügt wurde. Der Einspruch wurde auch innerhalb der in § 9, Nr. 2 RechtsO vorgesehenen Frist erhoben. Zwar vermochte der Ef. es nicht selbst den Einspruch bei der richtigen Stelle zu erheben. Die Rechtzeitigkeit verdankt er der Fürsorglichkeit der Rechtsausschussvorsitzenden. Letztlich ist aber der Weg, den der Einspruch genommen hat, unerheblich, wenn er den zuständigen Adressaten rechtzeitig findet. Der Eingang datiert auf den 15.01. 2017, so dass selbst bei Annahme der Mitteilung der Aufhebung der „DE“ durch die Karteistelle vom 29.12. 2016 als maßgebliches Ereignis, die Frist deutlich gewahrt wurde. Das gleiche gilt für die Zahlung der Einspruchsgebühr (§ 11, Abs. 2 und 3, § 9, Nr. 2 RechtsO, D. KostenO). Sieht man in der Entscheidung des Eg.s hier keine Ausnahme zuzulassen als das die Frist auslösende Ereignis gemäß § 9, Nr. 2 RechtsO an, erfolgte der Einspruch sowieso innerhalb der vorgesehenen Frist, so dass die Frage nach dem hier entscheidenden angegriffenen Ereignis dahinstehen kann.
Die Voraussetzungen des § 14, Abs. 2 und 3 RechtsO liegen offenkundig vor.

In der Hauptsache hat der Einspruch jedoch keine Chance auf Erfolg.
Zunächst verkennt der Ef., dass es sich hier nicht um eine Disziplinarsache handelt. Weder der Verein, noch der Spieler werden hier für ein Versäumnis bestraft. Das Erlöschen der „DE“ und die Weigerung hier eine Ausnahme zuzulassen, ist die zwingende, von der für die Verwaltung der Spiel- und Einsatzberichtigungen zuständigen Stelle mitgeteilte Folge, weil die in der WO normierten Voraussetzungen für den Fortbestand der „DE“ nicht vorliegen. Das Ergebnis ist auch nicht mit einem Spielverbot oder einer Sperre nur annähernd vergleichbar. Der Spieler kann nach wie vor an jedem Wettbewerb seiner Altersklasse, auch in der Mannschaft teilnehmen. Die im PTTV bestehende Möglichkeit Nachwuchsspielern zusätzlich den Start im Erwachsenenspielbetrieb zu erlauben, ist keineswegs eine Selbstverständlichkeit, auf die ein „geborener“ Anspruch bestünde. Es ist im Gegenteil nachvollziehbar und im Interesse des Jugendsports begründet diese zusätzliche Startberechtigung von Voraussetzungen wie dem Engagement in den Nachwuchskategorien abhängig zu machen.

Die Feststellung des Erlöschens der „DE“ war begründet und folgt aus E. 6.5., Satz 1 WO. Demnach hätte der betroffene Spieler vier Einsätze in der Vorrunde absolvieren müssen, weil die Spielklasse neun Mannschaften zählte. Die Abmeldung eines Teams bleibt ohne Auswirkung auf die Anzahl der Pflichteinsätze gemäß E. 6.5, Satz 4 WO. Abgesehen davon wären auch ohne Zählung der abgemeldeten Mannschaft vier Einsätze notwendig gewesen, weil sich die Zahl der Pflichteinsätze erst bei Unterschreiten der Klassenstärke von acht Mannschaften verringert.
Das Spiel, welches wegen Nichtantreten der Mannschaft des Ef.s ausgefallen ist, kann selbstverständlich nicht angerechnet werden. Zunächst ist in keiner Weise nachweisbar, dass der Spieler tatsächlich spielwillig und spielbereit war. Letztlich ist dies auch irrelevant. Es kommt einzig darauf an, dass die Jugendlichen für echte Spielpraxis sorgen. Auch deshalb legt die WO in E. 6.5, Satz 2 ausdrücklich fest, dass Einsätze nur im Doppel nicht für die geforderten Spieleinsätze gezählt werden. Für die bloße Spielabsicht kann dann erst recht nichts anderes gelten.
Dem Einwand der Unverhältnismäßigkeit kann nicht gefolgt werden. Dies ergibt sich schon daraus, dass das Fehlen eines vierten Einsatzes nicht auf äußere Umstände zurückzuführen ist, die außerhalb des Einflussbereichs des Ef.s stünden. Dieser hätte nämlich locker für vier und mehr Einsätze, auch nach dem ausgefallenen Spiel, sorgen können. Der Spieler war auch nicht wegen Krankheit, Verletzungen oder aus schulischen oder beruflichen Gründen an weiteren Einsätzen gehindert. Auf völlige Ablehnung stößt der Vortrag, der Ef. sei in besonderer Intensität betroffen, weil die Mannschaft um die Meisterschaft spielt. Demnach müssten derartige Teams gegenüber Mittelfeldmannschaften in Grenzfällen bevorteilt werden, was aber mit dem Gleichbehandlungsgrundsatz nicht in Einklang zu bringen wäre. Letztlich geht es im Sport für jede Mannschaft darum ihr möglichst optimales sportliche Resultat zu erzielen. Dabei ist der Eifer Platz fünf statt sechs zu erreichen, nicht anders zu beurteilen und wertzuschätzen wie der Kampf um den Titel oder gegen den Abstieg. Der Einwand des Ef.s der Eg. würde damit dem Spieler die Möglichkeit nehmen Spielpraxis in einer ihn fördernden Spielklasse zu sammeln und damit gegen sein eigenes Ziel der Nachwuchsförderung verstoßen, geht ebenfalls ins Leere.
Zwar ist die hier streitige Entscheidung der Förderung des hier betroffenen Spielers sicher nicht zuträglich. Das Einzelschicksal ist jedoch hinzunehmen, um dem Abschnitt G. 5 WO Geltung zu verschaffen. Diese Regelung fördert indessen den Jugendspielbetrieb, weil damit ein Anreiz besteht auch in der Jugendklasse zu starten, womit deren Erhalt sicher gestellt wird, was vor allem für die Mehrheit und weniger spielstarken Nachwuchssportler von essentieller Bedeutung ist.

Zwecklos ist auch das Begehren des Ef.s eine Härtefallregelung zu erreichen. Hierfür fehlt es schlicht an einer Rechtsgrundlage in der WO. Eine solche kann nur dann getroffen werden, wenn das Regelungswerk eine entsprechende Ermächtigungsgrundlage vorsieht. Solche sind der WO auch nicht unbekannt (vgl. z.B. G. 4.1, 5.1). In diesem WO-Kapitel ist eine Härtefallregelung jedoch nicht enthalten. „Außergesetzliche“ Härtefallregelungen sind denkbar, wenn andernfalls gegen höherrangiges Recht verstoßen würde oder beim Vorliegen bestimmter Voraussetzungen vom höchsten Rechtsprechungsorgan aufgestellt werden. Derartiges kann hier jedoch nicht festgestellt werden.
Wenngleich es für die Spruchausschussentscheidung nicht darauf ankommt, ist hier noch ergänzend darauf hinzuweisen, dass hier auch keine besondere Härte vorliegt. Eine besondere Härte setzt ein besonders als ungerecht und unbillig empfundenes Ergebnis voraus, hinsichtlich dessen die Verantwortlichen nicht „schuld“ sind. Davon kann hier keine Rede sein. Der Ef. hat aufgrund eigener fahrlässiger Unkenntnis nicht für die ausreichende Anzahl von Einsätzen in der Jugendmannschaft gesorgt. Auch der vom Ef. so engagiert beschriebene Spieler hätte von sich aus die Regularien ermitteln und für weitere Einsätze in der Nachwuchsmannschaft sich kümmern können. Das Schicksal eines einzelnen Spielers kann auch nicht isoliert von dem der Mannschaft und des Vereins bewertet werden. Er ist Mitglied und Teil des Vereins. Als solcher nimmt er nicht nur Einfluss auf die Auswahl der für den Verein handelnden Personen. Ebenso wie er von deren Engagement und Entscheidungen profitiert, trägt er auch mit das Risiko von Versäumnissen und Fehlern. Eine besondere Härte kann sich nicht durch die fehlende eigene Zuständigkeit im Verein ergeben.

Dem Ef. ist auch seiner Behauptung zu widersprechen, eine Ausnahmegenehmigung würde andere Vereine nicht benachteiligen. Mit der Erteilung einer Ausnahmebewilligung würde zwangsläufig eine Ungleichbehandlung einhergehen zu Lasten der Vereine, welche das Erlöschen der „DE“ hingenommen haben. Davon gab es einige, wie der Veröffentlichung der Karteistelle zu entnehmen war. Betroffen wären ferner all die Vereine, die mit Anstrengungen und möglicherweise Verzicht auf den Einsatz in der Aktivenmannschaft bei zeitlicher Überschneidung für die geforderten Mindesteinsätze gesorgt haben.

Die Kostenentscheidung folgt aus § 36, Abs. 1 RechtsO.



H a r z - S i g m u n d - R e i s s e n w e b e r


R E C H T S M I T T E L B E L E H R U N G

Gegen dieses Urteil ist eine Berufung statthaft.
Diese ist innerhalb drei Wochen einzulegen. Die Frist beginnt mit dem nächsten Montag, der auf die Veröffentlichung im Internet (www.pttv.de) folgt. Für die Berechnung des Fristendes ist der Zugang der Berufungseinlegungsschrift bei der Rechtsausschuss-Vorsitzenden maßgebend. Die Berufung ist in vierfacher Ausfertigung an den PTTV-Rechtsausschuss, zu Händen von Frau Cornelia Weber, Johann-Kraus-Straße 13 b, 67227 Frankenthal, zu richten.
Innerhalb der oben genannten Frist muss eine Gebühr in Höhe von EUR 50 auf das Verbandskonto eingezahlt werden.
(Bankverbindung: IBAN: DE28 5462 0093 6600 1550 06 bei der HypoVereinsbank Neustadt/W.)
Als fristwahrend gilt das Datum der Einzahlungsquittung.
Verbandsmitarbeiter sind von der Gebührenpflicht befreit, sofern sie als PTTV-Organ betroffen sind.

Jürgen Harz

30-03-2017