Spruchausschuss
Betreff: SpA 5-12/13

TTC Bruchweiler // Bezirkssportwart W-S, Roos


In der wegen Spielansetzung eingeleiteten Überprüfungsangelegenheit des TTC Bruchweiler e.V., vertreten durch den 1. Vorsitzenden Markus Metzger, dieser hier vertreten durch Christoph Burkhart – Einspruchsführer - gegen den Pfälzischen Tischtennisverband e.V., vertreten durch den Präsidenten Kurt Sturm, dieser hier vertreten durch den Bezirkssportwart W-S, Rolf Roos – Einspruchsgegner – hat der Spruchausschuss durch den Vorsitzenden Harz sowie die Beisitzer Eisele und Gerlinger ohne mündliche Verhandlung am 28.05. 2013 folgende Entscheidung getroffen:

1. Es wird festgestellt, dass die Ansetzung des Meisterschaftsspiels TTC Nünschweiler III gegen TTC Bruchweiler in der Bezirksliga W-S der Herren ordnungswidrig und unwirksam war.
2. Im Übrigen wird der Einspruch abgewiesen.
3. Der Einspruchsführer trägt ein Drittel, der Einspruchsgegner zwei Drittel der Verfahrenskosten.

T a t b e s t a n d

Die erste Herrenmannschaft des Einspruchsführers (Ef.) spielte in der Saison 2012/2013 in der Bezirksliga Westpfalz-Süd und hatte am letzten Spieltag der Rückrunde beim TTC Nünschweiler III anzutreten. Diesem Verein gehört auch der seinerzeitige, hier zuständige Bezirkssportwart an.
Laut dem im Internetportal „tt-info“ einsehbaren Terminplan war Samstag, der 20.04. 2013 als Spieltag vorgesehen gewesen. Ferner wurde bei den Daten zur Mannschaft TTC Nünschweiler III der Samstag als Heimspieltag angezeigt. Zu einem nicht bekannten Zeitpunkt wurden vom Einspruchsgegner (Eg.) sämtliche Heimspiele des TTC Nünschweiler III auf Freitag geändert. Dem jeweiligen Gegner wurde kein ausdrücklicher Hinweis erteilt. Stattdessen erschien bei der Auflistung der einzelnen Begegnungen zum jeweiligen Spieltag in der Zeile, in welcher der Name „TTC Nünschweiler III“ am Anfang, also als Heimverein auftauchte, ein kleines farbiges Symbol, in dem „neu“ stand sowie das vorgesehene Spieldatum, bei dem der Wochentag immer mit den ersten beiden Anfangsbuchstaben abgekürzt wurde. Das Spiel endete schließlich mit einer 2:9 Niederlage aus Sicht des Ef.s, der zu diesem Spiel ohne seine nominelle Nummer eins angetreten war. Als Ersatz fungierte der auf Position elf der vierten Mannschaft stehende Spieler.
Per Email vom 26.04. 2013 erhob der Ef. Einspruch gegen die Spielansetzung. Am gleichen Tag wurde der Eingang der Einspruchsgebühr in Höhe von 30 Euro auf dem Verbandskonto festgestellt.

Der Einspruchsführer ist der Meinung, dass hier eine unzulässige Spielansetzung vorliege. Als der Terminplan unter „tt-info“ veröffentlicht worden sei, sei das Spiel auf Samstag terminiert gewesen. Man habe alle Spieltermine an die Spieler weiter gegeben, so dass man nicht auf den Freitag vorbereitet gewesen sei. Daher sei auch das Aufstellen einer konkurrenzfähigen Mannschaft nicht mehr möglich gewesen. Von der Verlegung auf Freitag habe man erst kurzfristig zufällig wenige Tage vorher erfahren. Hier sei vom Samstag als offiziellem Spieltag auszugehen, da dieser noch immer als Heimspieltag beim TTC Nünschweiler III hinterlegt sei und der einmal veröffentlichte Spieltermin nach G. 1.4.1 Wettspielordnung (WO) bindend sei. Änderungen seien nur nach G. 12 WO möglich. Die dortigen Voraussetzungen seien hier jedoch nicht gegeben gewesen. Demnach hätte das Spiel am Samstag, den 20.04. 2013 ausgetragen werden müssen, zumal der Eg. keine Informationen zu der Spielverlegung weiter gegeben habe.
Zu beachten sei zudem, dass die eigene Mannschaft nicht nur am Antreten in Bestbesetzung gehindert gewesen sei, sondern man auch noch mit zwei verletzten Akteuren habe antreten müssen. Dadurch sei dem Gegner ein Sieg geschenkt worden, was letztlich zum Abstieg einer hier unbeteiligten Mannschaft, TTC Hauenstein II, führen könne. Ferner spiegle nun am Ende des Spieljahres die Tabelle nicht die wirklichen, auf dem Boden der geltenden WO erbrachten Leistungen der Mannschaften wider, da der eigene Verein um einen Sieg gebracht worden wäre, während TTC Nünschweiler III damit in unzulässiger Weise zu zusätzlichen Punkten gekommen sei. Ferner sei dieser Verein entsprechend der Kostenordnung zu bestrafen.
Der Einspruchsführer beantragt sinngemäß die Feststellung, dass die Spielansetzung durch den Eg. rechtswidrig war, sowie die Wiederholung des Spiels, sofern das Ergebnis den Abstieg beeinflusst und die Verhängung einer Geldbuße für den TTC Nünschweiler III.

Der Einspruchsgegner beantragt die Abweisung des Einspruchs.
Er gibt an, dass der TTC Nünschweiler von Anfang an für seine dritte Mannschaft Freitag als Heimspieltag im Mannschaftsmeldebogen eingetragen habe, aber irrtümlich im Internet versehentlich Samstag angegeben habe. Der Eg. habe schon wenige Tage nach der Veröffentlichung im Internet alle Heimspiele des TTC Nünschweiler III auf Freitag geändert. Er ist der Meinung, dass dem Ef. dies in den vergangenen Monaten schon früher hätte auffallen müssen.
Schließlich sei das Spielergebnis für den Ef. belanglos und ohne Auswirkung auf seine Platzierung.
Da der TTC Nünschweiler an der ganzen Sache schuldlos sei, könne dieser keinesfalls bestraft werden.


E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e

Der gemäß § 1, Abs. 2 Rechtsordnung (RechtsO) statthafte Einspruch ist auch zulässig. Der Ef. ist nach § 3, Ziffer 2 PTTV-Satzung Mitglied des Verbandes und dementsprechend gemäß § 7, Satz 2 RechtsO anrufungsberechtigt.
Das in § 8 RechtsO geforderte Rechtsschutzbedürfnis liegt auf der Hand. Der Ef. ist durch die Verlegungsentscheidung oder Spielansetzung beschwert worden. Seiner Meinung nach erfolgte diese in nicht rechtmäßiger Weise ohne reguläre Bekanntmachung, was dazu geführt haben soll nur mit einer schwächeren Aufstellung antreten zu können. Dadurch soll ein besseres Ergebnis vereitelt worden sein. Das Interesse des Ef.s in der von ihm betriebenen Sportart in jedem einzelnen Wettkampf erfolgreich zu sein, um die best möglichen Ergebnisse zu erzielen, ist schutzwürdig, da dieses Ziel ein wesentliches, zentrales und sinngebendes Element des Wettkampfsports darstellt.
Der Einspruch wurde auch fristgemäß erhoben (§ 9, Nr. 2 RechtsO), nämlich weniger als zwei Wochen nach erfolgter Kenntnisnahme der Spielansetzung. Jedenfalls existieren für eine frühere Kenntnis keine Indizien und lässt sich erst recht auch nicht nachweisen. Am Tag der Einspruchserhebung gingen auf dem PTTV-Konto auch die 30 Euro Einspruchsgebühr ein, so dass auch die in § 11, Abs. 1 RechtsO, D. KostenO sowie die in §§ 11, Abs. 2, 9, Nr. 2 RechtsO normierten Voraussetzungen vorliegen. Letztlich wurden auch die § 14, Abs. 2, 3 und 5 RechtsO fixierten Formvorschriften beachtet, insbesondere war die Vollmacht des Vereinsvorstands vorgelegt worden.

Der Einspruch ist auch überwiegend begründet. Soweit der Ef. die Feststellung begehrt, dass die Spielansetzung ordnungswidrig war, ist dies zu bestätigen.
Im vorliegenden Fall lag keine wirksame Spielansetzung vor, was sich aus G. 1.4.1 WO ergibt, wonach Mannschaftsspiele an den veröffentlichten Tagen auszutragen sind. § 19 PTTV-Satzung in Verbindung mit A. 5 Internetordnung gibt Auskunft darüber wie eine Veröffentlichung zu bewirken ist, während in G. 1.4.8 WO normiert ist, dass die Spielpläne vom Klassenleiter zu veröffentlichen sind. Demnach war der Eg. verpflichtet gewesen den Terminplan unter der Rubrik „Amtlich“ auf der PTTV-Homepage zu veröffentlichen oder wenigstens einen Link, der direkt auf „tt-info“ zu dem Spielplan führt. Freilich wäre auch hinsichtlich dieser einzelnen Begegnung  auch eine Mitteilung auf schriftlichem, elektronischem oder mündlichem Weg möglich gewesen. Allerdings war nichts von alledem seitens des Eg.s veranlasst worden. Sogar der gesamte Terminplan war nie wirksam veröffentlicht worden. Selbst wenn man unterstellt – was der Ef. ja auch einräumt – dass der „tt-info“-Spielplan wahrgenommen worden war, womit der Mangel der formwidrigen Veröffentlichung geheilt wurde, waren alle danach vom Eg. geänderten Spielansetzungen der Heimspiele des TTC Nünschweiler III ordnungswidrig und unwirksam, weil der Eg. auf die Benachrichtigung der jeweiligen Gegner verzichtet und darauf vertraut hatte, dass es den Vereinen beim Stöbern im Ergebnisportal „tt-info“ schon auffallen möge. Dies war auch bis zu diesem einzigen Spiel gut gegangen. Gleichwohl muss konstatiert werden, dass die Spielansetzung somit unwirksam war. Infolgedessen hätte entsprechend G. 1.4.1 der Ef. überhaupt nicht antreten müssen. Hätte er gar keine Mannschaft zusammenstellen können oder hätte er die geänderte Ansetzung erst nachträglich realisiert, wäre der Eg. verpflichtet gewesen das Spiel erneut und zwar formal korrekt anzusetzen.Gleichwohl hat der Spruchausschuss darauf verzichtet dem auf die Wiederholung des Spiels gerichteten Antrag stattzugeben. Die Frage, ob der Ef. tatsächlich am Folgetag mit besserer und einer erfolgsträchtigeren Mannschaft hätte antreten können, kann dabei unbeantwortet bleiben. In der Tat hätte für den Ef. nur ein in Form des Punktekontos verbesserter Stand herausspringen können. Eine verbesserte Platzierung war rechnerisch nicht mehr möglich gewesen. In Anbetracht dessen hält es der Spruchausschuss für unverhältnismäßig ein Nachholspiel für Ende Mai anzuberaumen. Das Interesse des Ef.s an reiner Ergebniskosmetik muss gegenüber dem organisatorischen Aufwand ein Mannschaftsspiel zu einem Zeitpunkt austragen zu lassen, auf den kein Verein eingestellt ist und womit auch nicht mehr zu rechnen war, zurücktreten. Ferner wollte der Ef. das Spiel nur dann angesetzt wissen, wenn es sich auf den Abstieg auswirkt. Dies ließ sich jedoch zum Zeitpunkt dieser Entscheidung noch gar nicht definitiv klären mit der Folge, dass man noch länger mit der Ansetzung hätte warten müssen.
Der Einwand des Ef.s das Ergebnis könne die Abstiegsfrage entscheidend beeinflussen, greift hier ohnehin nicht. Nutznießer der Neuansetzung hätte bei einem entsprechenden Resultat der TTC Hauenstein sein können. Dem Ef. steht es jedoch nicht zu, sich zum Sachwalter der mutmaßlichen Interessen eines dritten Vereins zu machen. Hätte ein anderer Verein ein Interesse an einer Neuansetzung gehabt, wäre es diesem unbenommen gewesen selbst Einspruch zu erheben oder diesem Rechtsstreit im Wege der Nebenintervention beizutreten.
Damit ergibt sich auch, dass dem vom Ef. zusätzlich gestellten Bestrafungsantrag der Erfolg versagt bleiben muss.
Einzig der Eg. hatte sich ordnungswidrig verhalten, während dem TTC Nünschweiler kein Verschulden angelastet werden kann. Ob dieser Verein durch Nachlässigkeit den „falschen“ Heimspieltag im Internet eingetragen hatte oder sich aus anderen Gründen die Veranlassung ergab vom Samstag auf den Freitag zu wechseln, ist unerheblich. Nach G. 1.4.5 WO dürfen die Vereine eine Änderung ihres Heimspieltages beantragen. Dies war offensichtlich geschehen und der Eg. hatte diesem Wunsch entsprochen, was sich in den geänderten Spielansetzungen niederschlug. Zwar hängt die Wirksamkeit der Änderung ebenfalls von der Veröffentlichung ab (G. 1.4.6 WO). Das entsprechende Versäumnis kann jedoch nicht dem TTC Nünschweiler angelastet werden. Dieser Verein hatte keine Ordnungswidrigkeit begangen, insbesondere nicht die vom Ef. behaupteten B. 9 und 10 KostenO. Der Verein hatte weder eigenmächtig ein Spiel verlegt (sondern bloß zulässigerweise die Änderung des Heimspieltags gewünscht, s.o.), noch in „tt-info“ falsche Eintragungen vorgenommen.

Die Kostenentscheidung folgt aus § 36, Abs. 2 RechtsO. Der Schwerpunkt des Einspruchs lag eindeutig auf dem Wunsch der Feststellung der Ordnungswidrigkeit der Spielansetzung. Nachdem der Antrag auf Neuansetzung nur als Hilfsantrag gestellt war, hält es der Spruchausschuss für angemessen den abgewiesenen Bestrafungsantrag mit nur einem Drittel zu bewerten.



H a r z - E i s e l e - G e r l i n g e r



R E C H T S M I T T E L B E L E H R U N G

Gegen dieses Urteil ist eine Berufung statthaft.
Diese ist innerhalb drei Wochen einzulegen. Die Frist beginnt mit dem nächsten Montag, der auf die Veröffentlichung im Internet (www.pttv.de) folgt. Für die Berechnung des Fristendes ist der Zugang der Berufungseinlegungsschrift bei der Rechtsausschuss-Vorsitzenden maßgebend. Die Berufung ist in vierfacher Ausfertigung an den PTTV-Rechtsausschuss, zu Händen von Frau Cornelia Weber, Johann-Kraus-Straße 13 b, 67227 Frankenthal, zu richten.
Innerhalb der oben genannten Frist muss eine Gebühr in Höhe von EUR 50 auf das Verbandskonto eingezahlt werden (Bankverbindung: Kontonummer 6600 155 006 bei der HypoVereinsbank Neustadt/W., BLZ 546 200 93).
Als fristwahrend gilt das Datum der Einzahlungsquittung.
Verbandsmitarbeiter sind von der Gebührenpflicht befreit, sofern sie als PTTV-Organ betroffen sind.

Jürgen Harz

06-08-2013